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Energien im Streitgespräch lenken

Sie müssen das vorangegangene Kapitel „Wie Missverständnisse entstehen“ verstanden haben, um Folgendes gänzlich verinnerlichen zu können.

Während eines Streitgesprächs erwacht unser Urinstinkt, zu wissen, dass wir uns gerade in einem Kampf (Machtkampf) befinden. Eine weitere natürliche Reaktion ist, dass wir aus diesem Kampf als Gewinner hervor gehen und uns verteidigen wollen.

Wer nicht mit seinen Fäusten streitet, streitet durch „verbale Attacken“.

Wer sich nicht mit einem Schild verteidigt, verteidigt sich durch verbale Rechtfertigungen.

In einem zwischenmenschlichen Machtkampf wäre es jedoch das Beste, der Kampf würde „unentschieden“ ausgehen bzw. man würde sich einig werden.

Ich zeige Ihnen jetzt, wie Sie Ihre Worte in einem Streitgespräch lenken können, ohne dass es darum geht „zu gewinnen“.

Das Wissen, darüber, dass ein Streitgespräch ein Kampf ist, den jeder gewinnen will, kann für Sie schon „die halbe Miete“ bedeuten.

In dem vorangegangenen Kapitel haben Sie gelernt, dass man immer nur seine eigenen Definitionen/Interpretationen der Worte des Anderen versteht.

Dann verstehen Sie auch, warum ich Ihnen jetzt sage: „Schauen Sie, WO der Andere Recht hat!“ UND ZWAR im Bezug auf IHRE Definition!

Da ich jetzt nicht sämtliche Streitsituationen durchspielen kann, wähle ich ein Streitthema, wie jemand einem Anderen einen Vorwurf macht.

„Du hast letzte Woche kein Mittagessen gekocht!“

Eine „natürliche“ Reaktion wäre jetzt, dass der Angegriffene versucht sich zu verteidigen, indem er versucht Rechtfertigungen für sein Verhalten vorzubringen.

Und schon hat der Kampf begonnen.

Sie möchten nicht kämpfen? Dann schauen Sie, WO der Andere RECHT hat!

Fragen Sie sich:

Hat er Recht und Sie haben wirklich nicht gekocht. Geben Sie ihm Recht – Punkt.

Verstehen Sie vielleicht von ihm, dass er Ihnen ein schlechtes Gewissen einreden will, weil Sie nicht gekocht haben? Dann antworten Sie ihm, dass Sie bereits ein schlechtes Gewissen haben, weil Sie nicht gekocht haben.

Oder verstehen Sie, dass er Sie nicht mehr liebt, weil er Ihnen den Vorwurf in cholerischer Art und Weise vorgebracht hat? Dann antworten Sie, dass Sie sich nicht geliebt fühlen, wenn er in dieser Art und Weise Kritik an Ihnen äußert.

Nachdem Sie sich also verdeutlicht haben, WAS Sie verstehen – also Ihre Definition/Interpretation eines Vorwurfs an Sie -, können Sie reagieren, OHNE sich rechtfertigen zu müssen und in einen Kampf einzusteigen.

Entweder hat Ihr Streitpartner Recht mit seinem konkreten Vorwurf oder mit Ihrer Definition seines Vorwurfs.

Sobald Sie die Wahrheit, die Bedeutung gefunden haben, geht aus einem zwischenmenschlichen Kampf kein Gewinner mehr hervor, da der Andere keine „Munition“ mehr hat. Denn, der Angreifer rechnet mit Ihrer Verteidigung!

Befinden Sie sich in der anderen Position und möchten einem Anderen einen Vorwurf machen? Diesen Vorwurf können Sie bereits so hervorbringen, dass er von dem Anderen nicht als „Kampfankündigung“ verstanden wird und somit eine Rechtfertigungsreaktion gar nicht erst entsteht.

Nun fragen Sie sich nach Ihrer eigenen Definition/Interpretation des Vorwurfs, den Sie anbringen möchten.

Was ist Ihre Absicht, was möchten Sie erreichen, indem Sie diesen Vorwurf äußern?
Das bereitet Sie darauf vor, auf die Fragen des Anderen eine Antwort haben. Außerdem wissen Sie dann, was Ihr eigentlicher Vorwurf ist, den Sie selber nur unter dem hervorgebrachten Vorwurf verstecken.

Fragen Sie sich weiterhin, ob Ihr Vorwurf an den Anderen wirklich gerechtfertigt ist.

„Du hast letzte Woche kein Mittagessen gekocht!“

Haben Sie vielleicht selber ein schlechtes Gewissen, da Sie viel mehr Zeit hatten als der Andere und Sie das Mittagessen in der letzten Woche hätten zubereiten können? Dann antworten Sie: „Schade, dass du letzte Woche kein Mittagessen gekocht hast, ich bin einfach nicht darauf gekommen, dass ich die Aufgabe hätte übernehmen können“.

Auf diese Aussage hin ist es für den Anderen nicht mehr nötig, sich zu „verteidigen“ (Rechtfertigung). Um so eine Antwort geben zu können, müssen Sie aber zuvor zu einer Einsicht gekommen sein, inwieweit Sie mit Ihrem Vorwurf im Unrecht sind.

Ein Beispiel:
Sie möchten Ihrem Partner den Vorwurf machen, dass er überall seine Klamotten herumliegen lässt und nie aufräumt oder sonstige Hausarbeiten erledigt.

WAS bedeutet es für SIE, dass er sich so verhält?

WAS verstehen SIE, sollte sich Ihr Partner derartig verhalten?

Die meisten Menschen fragen sich nach der Bedeutung des Verhaltens des Anderen.

Warum macht er keine Hausarbeiten? Warum lässt er überall alles herumliegen?

Welche Antworten können Sie sich auf diese Fragen geben?

Zum Beispiel könnte Ihre Definition heißen:

  • dadurch will er mir sagen, dass ich ihm nicht wichtig bin
  • weil er die Ordnung nicht mehr hält, liebt er mich nicht mehr
  • weil er überall Sachen herumliegen lässt, hat er keine Achtung mehr vor mir
  • durch sein Verhalten möchte er von mir Aufmerksamkeit erhaschen
  • mit seinem Verhalten möchte er mich provozieren etc.....

Beispielhaft nehme ich jetzt an, dass Sie für sich die Definition haben: „Weil er überall seine Klamotten herumliegen lässt und sich nicht an der Hausarbeit beteiligt, zeigt er mir damit dass ich ihm nicht wichtig bin“.

Die Fakten sind klar. Er räumt nicht auf und hilft nicht bei der Hausarbeit.

Aber, in Ihrer Wahrheit verstehen Sie, dass Sie ihm nicht wichtig sind und er sich nur deshalb so verhält.

Bevor Sie also jetzt diesen Vorwurf äußern, fragen Sie sich, ob Sie sich wirklich sicher sein können, dass Sie ihm nicht wichtig sind. Statt des Vorwurfs könnte sie ihn jetzt fragen:
 „Bin ich dir eigentlich wichtig? Wodurch zeigst du mir deiner Meinung nach, dass ich dir wichtig bin?“

Nachdem Sie erkannt haben, dass er Ihnen mit seinem Verhalten überhaupt nicht das sagen wollte, was Sie geglaubt haben, sind Sie schon ein Stück weiter gekommen. Aber, warum haben Sie überhaupt verstanden, Sie seien Sie ihm nicht wichtig?

Fragen Sie sich nun Folgendes:

  • Bin ich mir immer wichtig?
  • Lasse ich meine Sachen herumliegen und nehme mich dadurch nicht wichtig?
  • Ist er mir immer wichtig

LÖSUNG

Sobald Sie für sich wichtig sind, verstehen Sie durch das Verhalten eines Anderen nicht mehr: „Ich bin ihm nicht wichtig“.

Achten Sie sich selber, verstehen Sie nicht mehr durch das Verhalten des Anderen, dass er keine Achtung mehr vor Ihnen hat.

Verstehen Sie dennoch einmal, dass Sie jemand nicht wichtig nimmt oder keine Achtung vor Ihnen hat, fragen Sie sich, ob Sie Achtung vor ihm haben oder vor sich selber, ob er Ihnen wichtig ist oder Sie sich selber.

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